In einer höchst unterhaltsamen Fünf-Satz-Partie (22:25, 25:19, 25:12, 18:25, 15:11) haben unsere Zweitligadamen die Nachwuchstalente des Schweriner SC besiegt und konnten ihren sechsten Saisonerfolg feiern.
Dieses Match hätte durchaus ein größeres Publikum verdient gehabt. Wuchtige Angriffsaktionen, irre Long-Rallyes, ein Spielverlauf mit diversen Wendungen - wer am Samstagabend den Weg in die Beverhalle genommen hatte, war sicherlich auf seine Kosten gekommen. Mit rund 120 Zuschauern war der Zuspruch jedoch geringer als zuletzt ausgefallen, die hintere Tribünenhälfte eher spärlich besetzt geblieben.
Rein stimmungsmäßig war die Heimspielstätte des BSV allerdings "proppevoll": Angezündet durch einen couragierten und kämpferischen Auftritt unserer Damen entfachte der BSV-Anhang seine mächtige Unterstützung, als sei die Halle zum Bersten voll gewesen. Besonders eindrucksvoll der Moment im fünften Satz, als der BSV mit vier Punkten in Serie (von 4:6 auf 8:6) das Momentum auf seine Seite gezogen hatte, sich das Weiterspielen nach dem Seitenwechsel aber durch einen komplizierten Wechselvorgang, zu dem Schwerin gezwungen war, verzögerte. Volle drei Minuten schallte es "Auf geht's, BSV" durch die Halle, bis der Ball wieder flog - die BSV-Fans wollten die Stimmung einfach nicht absacken lassen. Unsere Damen nahmen den Faden auf und setzen sich vorentscheidend auf 12:7 ab. Beim zweiten Matchball übernahm Marie Verantwortung, passte den Schweriner Aufschlag souverän zu Zuspielerin Lea und verwandelte ihren Angriff zum fünften Heimsieg des BSV in dieser Spielzeit.
Vorangegangen waren vier abwechslungsreiche Sätze mit zahlreichen sehenswerten Ballwechseln. Darunter natürlich manch knallender Angriff der großgewachsenen, athletischen Schwerinerinnen, bei denen Diagonalspielerin Finja Kölzow nach zweiwöchiger Genesungspause wieder über weite Strecken mitwirken konnte. Nicht weniger spektakulär, wie BSV-Libera Pauli ihre Kracher mehrfach entschärfen konnte, und auch die BSV-Angreiferinnen zogen ein um das andere Mal kompromisslos durch. Und dann immer wieder diese Rallyes, in denen der Ball bereits längst auf dem Boden scheint, aber doch irgendwie noch gekratzt und zurückgebracht wird. Die meisten dieser Ballwechsel konnte der BSV am Samstag für sich entscheiden und zog daraus zusätzliche Energie.
Es war eine klasse Teamleistung des BSV, mit der die beiden 0:3-Niederlagen der Vorwochen abgeschüttelt und erstmals in dieser Spielzeit ein Team bezwungen wurde, dass in der Tabelle über dem BSV rangiert. "Ich war heute im Match in so vielen Momenten stolz auf euch", gestand Dominik nach dem Match in der Teambesprechung und spielte damit darauf, wie oft es den Spielerinnen gelungen war umzusetzen, was sie sich vorgenommen hatten, Trainiertes aus Parkett zu bringen und den Mut nicht zu verlieren, wenn Schwerin seine Offensivmacht ausspielte.
Letzteres begann schon früh in der Begegnung. Schwerin war druckvoll gestartet (1:7) mit gutem Service und massivem Block, doch unsere Damen wurden für ihren Kampfgeist schnell belohnt und zogen Mitte des Satzes wieder gleich. Zwar sicherten sich die Gäste in einer engen Schlussphase die Satzführung, doch der BSV hatte gemerkt, dass er hier auf Augenhöhe agieren konnte.
In Durchgang 2 übernahm das Heimteam allmählich das Zepter. Nach ausgeglichener erster Satzhälfte zwang eine kleine Punktserie (von 10:12 auf 14:12) Gästetrainer Arne Kramer zur ersten Auszeit. Ostbevern gelangen weitere Breaks. Sehenswert der Punkt zum 16:13, als Pauli einen harten Angriff der 1,93m großen Livia König entschärfte und Melina den Gegenangriff auf den Schweriner Boden hämmerte. Kurz darauf legte Melina mit scharfem Service nach, der BSV lag 21:15 vorn. Ein Angriff von Marie, die sich inzwischen Lösungen gegen den hohen Schweriner Block gesucht hatte, besorgte den Satzausgleich.
Durchgang 3 wurde durch den Ostbeverner Service geprägt. Eine hatte dabei wohl besonders Spaß: Mittelblockerin Lea durfte gleich zweistellig ran, mit ihr an der Aufschlaglinie stellte der BSV von 13:9 auf 23:9. Sechs Punkte erzielte sie dabei direkt mit ihrer Spieleröffnung.
Dass die Begegnung mit dem klaren Ausgang des dritten Abschnitts noch nicht entschieden war, stellten die Gäste ziemlich schnell mit Beginn des Vierten klar. Über 2:7 zogen sie auf 9:16 weg, hatten umgehend ihre Offensivpower wiedergefunden. Als unsere Damen zunächst auf 14:17 und mit einem Ass von Kathrin bis auf 16:18 verkürzen konnten, war die Spannung zurück. Wuchtige Angriffe Schwerins aber dämpften die Hoffnung des BSV, an diesem Abend drei Punkte holen zu können, postwendend und der Tie-Break musste die Entscheidung bringen. In diesem setzte Ostbevern der Schweriner Netzmacht eine leidenschaftliche Verteidigung, klug platzierte Angriffe und druckvollen Service entgegen. Damit gelang es, ein 1:4 in die eingangs beschriebene 8:6-Führung zum Seitenwechsel umzumünzen - ein Momentum, dass in der Beverhalle einfach zu viele Menschen nicht mehr aus der Hand geben wollten, als dass die Gäste es noch hätten einmal zurückerobern können.

Das obligatorische Siegerbild - mit Neuzugang Pia (im Trikot 15, Foto: A. Schneider)
In diesem an Höhepunkten reichen Match noch eine Randnotiz, aber sicher bald mehr im Fokus: Pia Schulte Döinghaus ist zurück beim BSV! Die 28-jährige, die in der Saison 21/22 bereits das BSV-Trikot trug, ist seit einigen Wochen gelegentlicher Trainingsgast in Ostbevern und hat nun auch einen Pass bekommen. Am Samstagabend konnte sie schon einmal "Rückkehrer-Luft" schnuppern und hatte einen Kurzeinsatz im vierten Satz. Herzlich willkommen zurück, Pia - wir freuen uns sehr, dich wieder bei uns zu haben!
MVP auf Schweriner Seite wurde die 15-jährige Nele Hecht, die Schwerins verhinderte Stammzuspielerin Paulina Ströh bravourös vertrat. Die Goldmedaille bekam Außenangreiferin Marie, bereits ihre zweite MVP-Auszeichnung in dieser Saison.




